
Was würde besser in ein Dragrace-Special passen
als das schnellste Straßenauto der Welt? Hier ist es.
Rod Saboury, Millers,
Von Andy Hajenski, Fotos: Matthew Howell
Trotz der relativ einfachen Grammatik ist die englische Sprache, dank ihres deutlich umfangreicheren Wortschatzes, sehr viel differenzierter als die deutsche. Beim Dragrace unterscheidet man zwischen „quickest” und „fastest car“. Während im Deutschen beides einfach „das schnellste Auto“ heißt, bedeutet im Englischen „quickest“ die niedrigste Zeit und „fastest“ die höchste Endgeschwindigkeit. Ein fundamentaler Unterschied, denn im Dragrace hat die Endgeschwindigkeit nur statistische Bedeutung, wie jeder weiß, der unsere Einführung ab S. 20 schon gelesen hat.
Tja, das ist wieder mal einer der Fälle, wo man das ganze Heft mit einem Auto füllen könnte, so viel gibt’s da zu erzählen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten vorne: Seit 1968 baut und fährt Rod schnelle Autos. 18 Stück insgesamt, darunter waren ein paar Hot Rods, ein 69er Camaro, den er neu gekauft und im Laufe der Zeit zum reinen Dragracer umgebaut hatte, und ein paar Corvetten. Dabei gehörte er in den 80er-Jahren zu den Begründern und wichtigsten Vertretern der Pro-Street-Bewegung. Berühmtheit erlangte vor allem seine schwarze 63er Corvette, die gleichzeitig Show Car und Dragracer war. Seine Rennerfolge – darunter drei Weltmeisterschaften und acht Weltrekorde – alle aufzuzählen, würde hier jeden Rahmen sprengen.
Eins ist jedenfalls offensichtlich: Rod war beileibe kein Anfänger, als er 1999 anfing, dieses Auto zu bauen. Fast sechs Jahre sollten die Arbeiten dauern, plus zwei Jahre für Planung und Vorbereitung. Das Ziel war nämlich ein sehr ambitioniertes: Er wollte mit einem straßenzugelassenen, aber vor allem auch straßentauglichen Auto auf dem Strip eine 6er-Zeit bei mehr als 200 mph (ca. 322 km/h) fahren. Und das mit „DOT tires“, also Straßenreifen, die vom Department of Transportation freigegeben sind. In der Tat ist er schon beim ersten Versuch eine 6,95 bei 210 mph (ca. 338 km/h) gefahren und hat das dann auf 6,75 verbessert, um das mal vorwegzunehmen.
Bugatti Veyron
Okay, kommen wir zum Wagen. Ich hab schon über viele Autos geschrieben und noch viel mehr gesehen. Und immer, wenn ich denke, jetzt kennst du alles, das kann man nicht mehr steigern, dann kommt so was wie Rods Corvette daher. Zur besseren Einordnung: Der „Supersportwagen“ Bugatti Veyron, der schnellste straßenzugelassene Serienwagen, mit seinem 1.000-PS-Sechzehnzylinder, beschleunigt von 0 auf 100 in 2,5 s, Rod braucht dafür weniger als eine Sekunde! Von 0 bis 300 braucht der Veyron 14,6 s, Rods Corvette ist 10 s früher schon auf knapp 340! Und dazu befindet sich das Auto im absoluten Showzustand, ist nicht nur straßenzugelassen, sondern auch wirklich straßentauglich und hat sogar elektrische Fensterheber und Cupholders. Aber dass keine Irrtümer aufkommen: Das ist kein Straßenwagen, der auch Dragrace fährt, sondern eine Dragracer, der auch auf der Straße fährt …